Vortrag zur Eröffnung der Ausstellung in der Tagesklinik Mentacare, Stuttgart, 11.10.2016


Das ewige Dazwischen

Woche der seelischen Gesundheit - es ehrt mich, zu einem solchen jährlich wiederkehrenden Anlass eine Ausstellung ausrichten zu können. Allerdings ist es für mich keineswegs leicht, hierzu einen von meinen Arbeiten her passenden Bogen zu schlagen, auch wenn das Thema mir nicht unbekannt ist. Doch meine Herkunft, beruflich wie familiär, liegt auf dem Bau, dem Handwerk, vor allem dem Vorbereiten von Bauten, dem Entwerfen. 

Nun, auch wenn alle unsere Seelen immerwährende Baustellen sind, so genügt es dennoch nicht, an irgendwelchen Schwachpunkten Träger einzuziehen zu lassen, das müssen wir alle schon selber tun. Aber wenn das Seelengerüst zusammen zu brechen droht, gibt es Hilfe von außen, Hilfe von Spezialisten, die die Architektur der Seele kennen und dabei behilflich sein können, das Gebäude funktionsfähig und lebenswert zu erhalten. 

Meinen Worten stelle ich ein paar kräftige Pinselstriche über meine Vita voran: Ich habe mich mein Leben lang mit dem Gestalten beschäftigt! Angefangen habe ich mit Zeichnen und Malen, habe dann Architektur studiert, Häuser gebaut, Unternehmen geführt, über Architektur und Design geschrieben, habe mit großer Begeisterung Designzeitschriften gestaltet, geschrieben, und immer wieder geschrieben, und viel gemalt. Wenn ich heute zurückschaue auf die vergangenen 69 Jahre, stelle ich mir immer wieder Frage, wie habe ich das damals eigentlich gemacht? Zu dem meisten stehe ich, manches finde ich grottenschlecht und eine beachtliche Menge finde ich heute noch ganz gut. Immer wieder höre ich, dass sich viele Menschen mit zunehmendem Alter mehr der Vergangenheit zuwenden. An mir selbst stelle ich fest, dass das Erforschen der eigenen Wurzeln zwar eine Rolle spielt, aber die Zukunft halte ich immer noch für spannender, natürlich auch die Gegenwart. 

Vor 4 Jahren habe ich anlässlich einer Ausstellung im Christophsbad Göppingen darüber gesprochen, dass "alles immer anders" sein kann - eine Aussage, die anlässlich dieser Ausstellung für mich persönlich eine neue Bedeutung bekommt.

Als wir die Bilder für diese Ausstellung auswählten, war ich plötzlich in die Situation versetzt, mich mit dem, was ich oft als "Old stuff" bezeichne, auseinander zu setzen. Meine Bilder sind mir eigentlich immer präsent, auch wenn sie nicht mehr in meinem Besitz sind. Und es ist meine Arbeit. Aber jenseits von zwei bis drei Jahren werden meine Arbeiten für mich historisch. Dann schaue ich genauer hin und frage mich, was habe damals da eigentlich gemacht. 

Eine Anekdote, die einen allerdings viel größeren Zeitraum beschreibt, soll das erläutern. Als ich vor vielleicht 13 Jahren einmal eine sehr entfernte Verwandte meiner Mutter besuchte, fand ich in deren Wohnzimmer eine Porträtzeichnung von ihr, die mich zu der spontanen Äußerung "die ist aber gut" veranlasste. Die betreffende Person war erheitert und meinte, die ist doch von dir! Mein Gehirn ratterte und sagte, da musst du wohl 18 gewesen sein, als das entstand! Irgendwie ging mir das runter wie Öl, dass ich damals schon eine so schöne Zeichnung hingekriegt hatte. Aber ich hatte es schlicht und einfach vergessen.

Über knapp 7 Jahrzehnte erlebt, erfährt, erleidet, erduldet, erschafft man so einiges. Das alles kommt in Wellen, man bleibt derselbe Mensch und ändert sich doch fortlaufend. Eine Binse. Wir sagen manchmal, "früher war alles besser" oder "morgen wird alles anders" - und was dergleichen an Plattitüden noch gerne genommen werden. Natürlich befinden wir uns in einem fortlaufenden Prozess der Veränderung, deren augenfälligster wohl das Altern ist. 

Sie alle kennen sicher das wunderbare Gedicht von Christian Morgenstern: 

Der Lattenzaun

Es war einmal ein Lattenzaun,

mit Zwischenraum, hindurchzuschaun.

Ein Architekt, der dieses sah,

stand eines Abends plötzlich da -

und nahm den Zwischenraum heraus

und baute draus ein großes Haus.

Der Zaun indessen stand ganz dumm,

mit Latten ohne was herum,

Ein Anblick gräßlich und gemein.

Drum zog ihn der Senat auch ein.

Der Architekt jedoch entfloh

nach Afri- od- Ameriko.

Dieser Ausstellung habe ich den Titel „Das ewige Dazwischen“ gegeben, es existiert auch ein Bild dieses Namens, das sie hier sehen können. Wieso also dieses Dazwischen, woher die Faszination am Zwischenraum - sowohl physisch wie auch geistig?

Dieses Dazwischen hält uns ein Leben lang in Atem, weil wir als Kinder zwischen unseren Eltern hingen, später zwischen Lehrer und Klassenkasper oder zwischen Mathe und Philiosophie, dann hing man zwischen Erika und Irene, zwischen furchtbar engen Wänden, zwischen Wasser ohne Balken, und später zwischen Himmel und Erde, zwischen gefeuert werden und Klappe halten, zwischen großer Sause und Katzenjammer, zwischen Big Deal und Nullinger, zwischen Null und Eins. -  Ja, das Digitale hat Superhirne und Roboter wachsen lassen, wir bedienen uns dessen  - die Medizin ist nicht ausgenommen - was wiederum bei genauem Hinsehen - neue Ängste erzeugen kann. 

Springen wir ungefähr ein Jahrhundert zurück, in eine Zeit des Schreckens, weil gerade der erste Weltkrieg tobte, und in eine Zeit der Erneuerung in Kunst und Architektur. 1919 wurde das erste Bauhaus in Weimar gegründet. Die moderne Kunst, die sich damals als Avantgarde verstand, versuchte, dieses eben angesprochenen genauere Hinsehen zu erneuern. Um das Entfliehen des Architekten nach Afri- od Ameriko zu erläutern, will ich bei meinem eigenen Werdegang in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts beginnen.

Das war eine Zeit, in der plötzlich alles anders wurde. Wir hatten damals herrliche Feindbilder, gegen die wir opponieren konnten. Wir hatten Reibungsflächen, die das Feuer für das Anderssein entfachten. Wir verschlangen Unmengen an Informationen und wollten verändern. Noch meine Studienjahre waren jedoch stark geprägt durch das geistige Erbe des Bauhauses, damals schon über fünfzig Jahre Geschichte. In der Nachkriegszeit kam aus Ulm die Gute Form, die Architektur war geprägt von der Geradlinigkeit eines Egon Eiermann - ich habe ihn noch persönlich kennen gelernt - und lediglich in der freien Kunst waren unterschiedliche Strömungen möglich, war alles anders, alles möglich und immer hing man irgendwo dazwischen. Die Moderne war quasi Funktionalität und brachte somit - wir waren aber auch dankbar dafür - eine scheinbar ideologiefreie Ordnung in die Nachkriegswelt. Die Reduktion auf Grundformen und Grundfarben wirkte irgendwie befreiend, das „Less is more“ von Mies van der Rohe war hilfreich. Aber wir hingen auch noch zwischen rotem Kreis, blauen Quadrat und gelbem Dreieck.

Viel später, in den 1990er Jahren, sprach der britisch-polnische Soziologe Zygmunt Bauman davon, dass die Moderne ein wesentliches Mittel zur Erzeugung von Ordnung sei und meinte: „Geometrie ist der Archetyp des modernen Geistes. Das Raster ist ihr beherrschender Ausdruck.......Geometrie zeigt, wie die Welt wäre, wäre sie geometrisch…….“


Ja, die Ordnung ist toll und oft hilfreich, manchmal erdrückend und sehr einengend. In diesem Kosmos der Moderne von Architektur und Design aufgewachsen und ausgebildet war das auch meine Welt, meine Bildwelt, meine Gestaltungswelt, meine Wahrnehmung. Für mich ist aber das, was als Moderne bezeichnet wurde, heute nur noch eine mögliche Weltsicht, ein Ordnungsmuster neben anderen. 


Denn: wir leben in einem ständigen Dazwischen, zwischen Meinung A und Meinung B, der Tatsache X und der Tatsache Y, der Studie Null und der Studie Eins, dem Medium FAZ und dem Medium TV - und - was machen wir daraus? Wenn wir faul sind, schlagen wir uns auf diese oder jene Seite, wenn wir uns Mühe geben, sehen wir das Dazwischen als Chance, eine eigene Gewissheit zu erlangen. Aber so lange wir uns auch redlich bemühen, das einzige was wir erreichen sind Näherungswerte an das, was uns als wahr erscheinen könnte.

Und was hat das - außer einem Bildtitel - mit meiner Malerei zu tun?

Kennzeichnend dafür ist aus meiner Sicht ein Begriff aus dem Grafikdesign am Computer: die Layer, die Ebenen. Alles ist immer dazwischen, weil es von etwas anderem überlagert ist, den Blick dadurch wieder trübt, verändert, ablenkt, umlenkt, strapaziert. Ich habe diese Vorgehensweisen in manchen Bilder sehr weit getrieben, so dass man die Ursprünge kaum noch erkennen kann.

In dieser Zeit der Überlagerungen, der Ebenen und der Virtualität sind es auch nicht mehr die Ideen alleine, wie in der Kunst der 1990er Jahre, sondern das Körperliche, das Dingliche kommt wieder zu Ehren, und so auch die schon so oft totgesagte Malerei. Dabei kommt es nicht darauf an, welches Material benutzt wird, wichtig alleine ist das Zusammenwirken von Inhalt und Form, der Ausdruck, der uns packt oder gleich-gültig vorbei gehen lässt.

Ein wesentliches und wichtiges Element wurde mir dabei die Übermalung, die gleichzeitig abdeckt, frei lässt und neue Elemente generiert. Das führt zu Schichten wie in der traditionellen Malerei, nur dass hier die Lagen nicht in alter Manier eingesetzt werden, sondern dazu dienen, der Vielschichtigkeit der Bildidee einen adäquaten Ausdruck zu geben, gewissermaßen auch zu entdecken, zu finden. Dabei fließen die Ebenen manchmal ineinander, manchmal bleiben sie getrennt. Aber immer korrespondieren sie, mildern sich ab, steigern sich, bleiben neutral, kontrastieren, öffnen, verschließen sich. Dadurch entstehen neue Strukturen, Formen, Ein-, Aus- und Durchblicke. 

Bei den Bildinhalten kommt es mir weniger darauf an, „was es darstellt“, sondern was das Bild bewirkt, was wir assoziieren, was wir glauben, was es meinen könnte. Eindeutigkeit strebe ich ausdrücklich NICHT an, weil sie aus meiner Sicht nicht existiert. Alles kann immer wieder auch anders sein. Die Eindeutigkeit der Moderne - wie schon gesagt - ist aus meiner Sicht ein zu simples Ordnungsnmuster von gestern. Und noch etwas ist mir auch für die Inhalte wichtig: Das Festlegen auf bestimmte Themen, das Wiederholen und Variieren, ist auch hier nicht mein Ziel. Und meine Bilder sind oft irgendwie gesellschaftskritisch, ironisch, manchmal politisch - ganz besonders die sich noch in Arbeit befindende Serie Überkunst, in der ich zeitgenössische Groß-Künstler persifliere.

Und so ist meine Arbeit letztlich eine permanente Abfolge von rationalem und intuitivem Erleben und Handeln, wobei es mir hauptsächlich um die Thematisierung von Beziehungen und Abläufen geht. Noch vor einigen Jahren hätte ich mir kaum vorstellen können, dass es gerade die moderne Physik sein würde, die uns heute den Blick auf die sichtbaren und unsichtbaren Beziehungsstrukturen unseres Lebens erleichtern würden. 

So schreibt der Quantenphysiker und Heisenberg-Mitarbeiter Hans-Peter Dürr: „Die neue Erkenntnis lautet nun: Die Form (oder allgemeiner: eine Art Gestalt) ist es, die sich im Laufe der Zeit nicht verändert. Materie gibt es im Grunde gar nicht. Diese bildet sich erst als „Als-ob“-Erscheinung bei größeren Anhäufungen der atomaren Gestaltwesen auf einem räumlich höheren Niveau durch Ausmittelung heraus. Das ist der revolutionäre Anfang der modernen Physik.“ Und weiter sagt Dürr: „In der Quantenwelt herrscht die mehrwertige Logik, ein Dazwischen, das Unentschiedene. Daran müssen wir uns gewöhnen. Solange wir uns etwas vorstellen können, liegen wir falsch. Wenn mir etwas schwammig vorkommt, komme ich der Wirklichkeit am nächsten. Denn Aussagen über sie sind vieldeutig.“ 

Nun, ich weiß nicht, ob das, was ich herstelle, Kunst ist, aber das, was ich zweckfrei gestalte, ist in diesem Sinne zunächst in mir vorhanden: völlig unklar, nebulös erkennbar, sich in sich verkehrend, in seltsamen Umrissen aufscheinend, verschwindend, mich fragend und im Ungewissen lassend, dann wieder entdeckend, verwerfend, verzweifelnd, dann beglückt etwas zusammen fügend, manchmal in Minuten erledigt, manchmal über Tage und Woche hadernd - ein älterer Kollege aus Wien, der völlig abstrakt malt und dessen Bilder sehr leicht erscheinen, hat es mal so formuliert: „Das ist verdammt harte Arbeit!“ - Bitte nicht missverstehen: Wir Deutsche fangen immer sofort an zu jammern, wenn um so genannte Arbeit geht, nein, das meine ich nicht. Was hier hart ist, ist das Gerödel in Hirn und Bauch, das man mit Zinnoberrot, Kadmiumgelb, Titanweiß, Ultramarinblau und tiefstem Schwarz zusammenbringen oder dividieren muss. Und das wäre ja noch einfach, aber man mischt sich manchmal die Finger wund und nix kommt dabei heraus. Und dann plötzlich - unerwartet - kommt das Glücksgefühl über etwas, das gelungen erscheint. Dann bringt man so etwas in eine Ausstellung - am Bild mit dem „Glücksgefühl“ laufen alle desinteressiert vorbei, aber an dem, wofür du dich schämst, dass es da hängt, entzünden sich Lobeshymnen. That’s life! Also, auch da hängt man immer irgendwie dazwischen!

Nun will ich noch auf dieses alte Sprichwort „sich zwichen alle Stühle setzen“ kommen, denn wenn ich vom „Dazwischen“ erzähle, finden wir uns nicht nur zwischen Mühlrädern, sondern vor allem zwischen Stühlen - natürlich sinngemäß! Keiner denkt daran, dass viel Sitzen eher schädlich ist, als zwischen den Stühlen zu stehen, zu liegen, zu hüpfen oder Halma zu spielen. Ich selbst habe mich oft mit Überzeugung zwischen diese Stühle begeben, manchmal sehr erfolgreich, manchmal vergeblich. Denn in diesem Dazwischen ist man sich auch immer des Umgebenden bewusst - ohne Lattenzaun kein Zwischenraum. Das Wesentliche dabei ist, dass es - zwar nicht immer - aber doch in sehr vielen Fällen eine eigene Entscheidung darstellt, für welchen Zwischenraum man sich entscheidet und wie konstant man letztlich in diesem Zwischenraum verharrt, wie man diesen aushält oder flieht.

Wenn ich vom Dazwischen rede, kann ich die Ambivalenzen oder gar Multivalenzen in unserem Leben nicht umgehen. Denn ohne die Wahrnehmung, des anderen, des Vielfältigen, sind wir nichts. Wir erleben gerade in der Politik eine Entwicklung, die sehr stark verdeutlicht, wie unsere Gesellschaft, unsere Wahrnehmung und damit letztlich unsere Werte in Fragmente zerfallen. Auch im weiten Berufsfeld der Medizin schieben sich immer neue Dinge dazwischen, die uns von hinten kalt erwischen, sei es die Internet-Medizin oder seien es Experimente am Menschen, die uns an Frankenstein denken lassen.

Da passt wohl der Ausspruch des Dramatikers Heiner Müller, der mal sagte: „.. wichtig sind die Fugen dazwischen, wo du merkst, da ist eigentlich ein Abgrund.“

Das Problem dabei ist, dass wir von reichlich Abgründen umgeben sind, ohne dass uns bewusst ist, dass es sich um solche handelt. Solche Abgründe - aber auch die positiven Höhen unseres Lebens - sind genau die Pole, zwischen denen sich meine Arbeiten bewegen. Dabei sind sie keine kühl kalkulierten Szenarien, sondern im Ungefähren entstandene Bildwelten, die ich für mich selbst immer dann als fertig gestellt bezeichne, wenn sie eine innere Grundstimmung, die ich bearbeiten wollte, relativ treffend wieder geben - zumindest und zunächst für mich selbst. Dann kommen die Betrachter, nämlich Sie. 

Ich will bei diesen Ausführungen aber nicht vergessen darauf hin zu weisen, dass auch Auftragsarbeiten mir oft großen Spaß machen. So bin ich auch bei diesem hier wohl sehr bekannten Thema Sigmund Freud gelandet. Das Thema Porträt gehört für mich zu den Arbeitsfeldern, die mir - zumindest zeitweise - sehr wichtig sind, weil ich mich hier sehr eingehend mit der Physiognomie und der Psyche der Porträtierten auseinandersetzen und jeweils passende Darstellungsweisen finden kann. Und auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht - auch Hinwendung zur scheinbar gegenständlichen Darstellung ist voller Abstraktion - vor allem im Porträt, einer der schönsten Ausdrucksformen überhaupt. 

Begonnen habe ich diese Ausführungen mit einer Bemerkung zum Tag der seelischen Gesundheit. Was die WHO oder der ICD10 dazu meinen, soll an dieser Stelle nicht interessieren. In dieser Einrichtung wird unter anderem mit großem Engagement Kunsttherapie betrieben, was sicher auch ein guter Weg zur seelischen Gesundheit sein kann. Die Zusammenarbeit mit Frau Muselmann war übrigens sehr fruchtbar, vielen Dank dafür!

Ich persönlich habe mich nie als Lehrender oder Therapierender verstanden, ich bin auf Dinge gestoßen, in Situationen geraten, und dann habe ich etwas draus gemacht. Das könnte ich jetzt langatmig breittreten, aber es gibt einen Begriff, der mir für die künstlerische Arbeit - und übrigens nicht nur für diese - extrem wichtig erscheint, das ist die Empathie. Das Sich-Hineinversetzen-Können, das Sich-Einfühlen-Können in andere Menschen und in Gesellschaftszusammenhänge ist unverzichtbar, das ist eine wesentliche Basis meiner gestalterischen Arbeit. Und da sind wir wieder beim Quantenphysikser Hans Peter Dürr, der von der Wahrnehmung des Ungefähren gesprochen hat. Empathie ist ebenso nie messerscharf, sondern ungefähr, ungenau, unpräzise - aber sie schafft Näherung, sie schafft die Basis für das, wie wir uns in Bezug zur Welt bringen!

Und wie wunderbar uneindeutig alles sein kann, hat der große Ernst Jandl in ein keines Gedicht komprimiert, mit dem ich jetzt schließen möchte:


lichtung

manche meinen

lechts und rinks

kann man nicht velwechsern

werch ein llltum



W.O.Geberzahn, 10.10.2016














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